1. STäNDIGER AUSSCHUSS FüR GEOGRAPHISCHE NAMEN (StAGN)
            

Der vom Ständigen Ausschuss für Geographische Namen (StAGN) jüngst gefasste Beschluss zur Schreibweise geographischer Namen hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst - insbesondere zwischen den Mitgliedern des Verbandes und den Herstellern schulischer Unterrichtsmaterialien.

Der StAGN empfahl bei der Darstellung geografischer Namen, an erster Stelle zunächst die Endonyme (die landestypischen Bezeichnungen) in Karten als Bezeichnung zu verwenden und erst an zweiter Stelle die Exonyme (die deutsche Schreibweise). Der StAGN - beim Bundesamt für Kartografie und Geodäsie in Frankfurt am Main angesiedelt - folgte damit einem Vorschlag der Deutschen Gesellschaft für Kartografie und richtete eine entsprechende Empfehlung an die Ständige Konferenz der Kultusminister (KMK). Nach den Vorstellungen von DGFK und StAGN sollte auch die KMK ihren aus den 80er Jahren stammenden und noch gültigen Beschluss zur Schreibweise geografischer Namen ändern.

Nach überschlagsmäßigen Berechnungen des StAGN wäre für die kartographischen Verlage bei einer Umsetzung der Empfehlung mit 50 bis 60 änderungen pro 1000 Registernamen zu rechnen. Der anfallende Arbeitsaufwand würde nach StAGN-Angaben etwa eine Arbeitswoche betragen, so dass eine übergangsfrist von 4-5 Jahren für eine Umsetzung der Empfehlung ausreichend wäre. Der StAGN hatte diese Berechnungen für die physisch-topographischen geographischen Karten.



In einem zweiten Schritt sollten nach einer längeren übergangsphase (zusätzliche 2 - 3 Jahre) die thematischen Karten korrigiert werden. Dieser Aufwand wäre nach StAGN-Angaben schwerer zu kalkulieren, wäre aber auch in der oben genannten Größenordnung anzusetzen.

Die Mitgliedsverlage des VKViD haben diese Empfehlung ohne größere Kommentare zur Kenntnis genommen.

Die Schulbuch- und Bildungsverlage dagegen protestierten gegen die Empfehlung nachhaltig und lehnten sie grundlegend ab. Sie verwiesen in einer Stellungnahme an die Kultusministerkonferenz darauf hin, dass "außerhalb des deutschsprachigen Raums kein Land auf die Idee (käme), in Karten für den Schulgebrauch die vom StAGN vorgeschlagene Schreibweise anzuwenden (in italienischen Atlanten wird München in der Regel mit Monaco bezeichnet, auf allen englischsprachigen Atlanten wird die Hauptstadt von Jordanien mit Amman und nicht Rabbah bezeichnet usw.)."

Da es das Ziel der geografischen Arbeit in der Schule sei, so die Stellungnahme weiter, ein geografisches Orientierungswissen zu vermitteln, müsse sich die Schulbuchkartografie an die im deutschsprachigen Raum gebräuchlichen geografischen Namen halten: "Zum Urlaub fliegt die Familie nicht auf die Islas Canarias oder bereist Sverige, sondern auf die Kanarischen Inseln oder Schweden." Die Schulkartographen erklärten zudem, dass sie der KMK-Empfehlung aus den 80er Jahren anhaltend folgen, die einen Kompromiss zwischen der dogmatischen Position des StAGN und der pragmatischen, an Unterrichtswirklichkeit, Praktikabilität und in der öffentlichkeit üblichen Gebrauch darstelle.

Außerdem seien die Umstellungskosten nicht zu verniedlichen: Es müsste nicht nur ein Austausch des gesamten Namensgutes bzw. umfangreicher Ergänzungen in einer Karte erfolgen, sondern auch weitergehende redaktionelle Bearbeitungen. Die Kosten dieser Umstellung würden sich bei einem Schulatlas auf mindestens 500.000 Euro belaufen. Schließlich wären auch noch Geschichtsbücher und andere Lehrwerke zu ändern, sodass erhebliche Kosten in zusätzlichem Umfang auf die Verlage zukommen würden.

Die Kultusministerkonferenz beschloss daraufhin, der StAGN-Empfehlung nicht zu folgen sondern es bei der alten Beschlusslage zu belassen.

Die Beschlussempfehlung des StAGN wie die Stellungnahme der Schulbuchverleger sind bei der Geschäftsstelle des VKViD erhältlich
(Mail: baer @ vds-bildungsmedien.de).

 
      2.
        IST EINE GEDRUCKTE KARTE EINE DATENBANK ?
            Am 09. Dezember 2005 fand in Karlsruhe eine Sitzung der DGfK-Kommission "Kartografie & Recht" statt. Das interessanteste Thema dieses Treffens war das jüngste Urteil des Landgerichts München I vom 09.11.2005. Kläger ist der Freistaat Bayern, Beklagter ist das Studio für Landkarten, Norderstedt.

Das Landgericht München I gab dem Kläger Recht, in dem es die gedruckte Topografische Karte der Landesvermessung als eine Datenbank anerkannte. Diese Entscheidung hat für die gesamte Verlagskartografie eine sehr große Tragweite. Die bisherige Arbeitsweise der Verlage wird in Frage gestellt.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde das bedeuten, dass jede Karte der privaten Verlage, die nach Entnahme von wesentlichen Informationen aus einer Topografischen Karte entstanden ist, stets mit Lizenzen durch die Vermessungsverwaltungen belastet werden kann.

Fast zeitgleich lief ein ähnliches Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart. Dieser Musterprozess ist noch nicht entschieden. Hier klagt das Land Baden-Württemberg gegen den Verlag Esterbauer GmbH. Der Verlag wird vertreten durch den renommierten und bundesweit anerkannten Urheberrechtsexperten Prof. Dr. Hertin aus Berlin.

Die erste Verhandlung am 20.12.2005 verlief ganz anders, als nach der Bekanntgabe des Urteils aus München zu vermuten war.

Das Gericht ist nicht der Meinung, dass eine Karte eine Datenbank ist. Die Klägerseite erbat sich eine Frist bis Ende Februar 2006, um dem Gericht die Generalisierungsproblematik besser aufzubereiten. Das Landgericht Stuttgart hat bereits festgelegt, dass am 21.03.2006 eine Entscheidung verkündet wird.

Der Verband bittet seine Mitgliedsverlage um Aufmerksamkeit in dieser Sache. Im schlimmsten Fall kann für die Verleger eine nicht einzuschätzende Schadensersatz-forderung der Vermessungsverwaltungen zur Debatte stehen.Der VKViD beobachtet diese Vorgänge sorgsam weiter.
 
 
      3.     PARLAMENTARISCHES MITTAGESSEN - WIESBADEN
 
            

Nach dem parlamentarischen Mittagessen im Januar 2005 in Berlin, nahm der Vorstand des VKViD an einem weiteren parlamentarischen Mittagsessen am 23. November 2005 mit hessischen Landtagsabgeordneten in Wiesbaden teil.

Eingeladen haben der Deutsche Dachverband für Geoinformationen e.V. (DGGI) und die Fa. EFTAS Fernerkundung Technologietransfer GmbH.

22 Parlamentarier und 15 Vertreter von Behörden und Unternehmen aus dem Bereich des Geowesens nahmen an dieser Informationsveranstaltung teil. In knapp zwei Stunden wurden viele Problemfelder aus dem Geoinformationswesen ungeschminkt angesprochen.

Herr Pietruska hat die unternehmerische Betätigung der Vermessungsverwaltungen scharf kritisiert. "Seit Jahrzehnten wird der Wettbewerb verzerrt und die privaten Verlage in ihrer Entfaltung empfindlich gestört. Das schadet allen und verhindert Ausbildungs- und Arbeitsplätze", so der Vorsitzende des VKViD.

Die Parlamentarier haben dieser Kritik große Aufmerksamkeit geschenkt und reagierten entsprechend. Noch für Januar 2006 ist Herr Pietruska zu einer Arbeitskreissitzung der Landtagsfraktion der SPD eingeladen worden. Dieses Gremium will mehr Informationen über die unternehmerische Betätigung ihrer Landesvermessungsverwaltung.

Herr Pietruska hat diese Einladung angenommen. Er wird über die negativen Auswirkungen dieser subventionierten, unternehmerischen Betätigungen der Landesbehörden sprechen. Der Föderalismus im Geowesen und damit auch in der Kartografie ist eine Plage. Mühsam müssen die Politiker von Bundesland zu Bundesland über die Uneffektivität ihrer Vermessungsverwaltungen aufgeklärt werden. Das hat sich Herr Pietruska persönlich zum Vorsatz gemacht.

Der Verband wird bei der kommenden Mitgliederversammlung darüber sprechen, ob der VKViD ebenfalls ein solches parlamentarisches Mittagessen, z. B. in Rheinland-Pfalz oder in Baden-Württemberg, veranstalten sollte.

 
      4.     KARTEN UND RECHT IM INTERNET -
LUST ODER FRUST FüR ANBIETER UND NUTZER ?
 
            

Die illegale Nutzung von Karten im Internet nimmt stetig zu und stört das Geschäft der Verlage und Vermessungsverwaltungen.

Um hier mehr Klarheit zu bekommen, möchte die DGfK-Kommission "Recht & Kartografie" eine Tagesveranstaltung durchführen. Diese soll in den Räumen der

Fachhochschule Karlsruhe
Technik und Wirtschaft
Moltkestraße 30

am Freitag, 27. Oktober 2006
von ca. 11:00 bis 16:00 Uhr stattfinden.

Die Teilnamegebühr wird nur EUR 60,00 bzw. EUR 40,00 für DGfK-Mitglieder betragen. Wir bitten die VKViD-Mitglieder sich diesen Termin vorzumerken.

 
      5.     MITGLIEDERVERSAMMLUNG DES VKViD 2006
 
            

Die diesjährige Mitgliederversammlung findet am

Donnerstag, den 27. April 2006

statt. Tagungsort und Tagungszeiten sowie die TO werden rechtzeitig bekannt gegeben. Wir bitten, den Termin bereits jetzt vorzumerken.

 
      6.     GEOVIS 2006
 
            

Die Kommission "Geoinformation und Visualisierung" der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e.V. veranstaltet am

5. und 6. April 2006
am GeoForschungsZentrum in Potsdam

die Tagung GEOVIS 2006.

Ziel ist die Vorstellung neuer Methoden und Entwicklungen im Bereich der kartographischen Visualisierung, Computergraphik und der wissenschaftlichen Visualisierung. Das Veranstaltungsprogramm deckt nach Angaben des Veranstalters folgenden Themenblöcke ab:

    * Virtuelle 3D-Stadt- und Landschaftsmodelle
    * Augmented Reality
    * Mobile Kartennutzung
    * Explorative Geovisualisierung
    * Anwendungsbeispiele moderner Techniken
    * Gefahren- und Risikokarten

Die Kommission "Geoinformation und Visualisierung", laden alle Interessierten herzlich zur GEOVIS 2006 ein und freuen uns auf Ihr Kommen.

Das Vortragsprogramm, weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie im beigefügten Flyer und unter http://www.visualisierung.dgfk.net.

 
      7.     VORSTAND
 
            

Durch den Austritt des Michelin Reiseverlages aus dem VKViD beendete Herr Holger Zimmermann seine ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand des Verbandes, in dem er mehrere Jahre die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden inne gehabt hatte. Der Vorsitzende dankte Herrn Zimmermann während der letzten Vorstandssitzung ausführlich für die geleistete Arbeit. Der Vorstand wird über die Neubesetzung dieses Amtes demnächst entscheiden.


Mit freundlichen Grüßen
VERBAND KARTOGRAFISCHER
VERLAGE in DEUTSCHLAND

Andreas Baer

 
      8.     NEUES VERBANDSMITGLIED
 
            

Die Firma Ingenieurbüro für Kartografie Friedhelm Schwegler ist seit Anfang 2006 neues Mitglied im VKViD. Die Kontaktdaten lauten:

Ingenieurbüro für Kartographie
Friedhelm Schwegler
Vogelherd 8
74937 Spechbach
Tel. 06226-970878
Fax 06226-970820


Mit freundlichen Grüßen
VERBAND KARTOGRAFISCHER
VERLAGE in DEUTSCHLAND

Andreas Baer